Pressespiegel

Der Bund, 30. Juni 2016: “Acht Fragen an Theodosii Spassov”

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Der Bund, 13. Juni 2015: “Astrologisches Klangspektakel”

“Das Variaton-Projektorchester und der Chor im Breitsch zeigen in Ad Astra Gustav Holsts «Die Planeten» und entführen mit ungewohnten Chorklängen zu den Sternen. (…) Sobald nach wenigen Takten die Leinwand transparent wird und der Chor erscheint, der sich mit rhythmischen Einwürfen einbringt, ist klar, dass der Anlass nicht nur akustisch ein Spektakel wird. (…) Mutiger Umgang mit dem fast hundertjährigen Stück, überraschende Komposition und Choreografie sowie Spielfreude zeichnen Orchester und Chor aus. Dadurch gelingt das leider allzu rare Kunststück, eine frische Brise auf den sonst so windstillen Planeten der klassischen Musik zu bringen. Ein begeisternder Abend, der vom Publikum mit tosendem Applaus gewürdigt wird. Für einmal werden die Dirigenten nicht mit Blumen, sondern mit Mars-Riegeln verdankt.
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Berner Kulturagenda, Juni 2015: “Nur Planet Erde fehlt”

Das Weltall animiert zum Grössenwahn: Zwei Berner Grossformationen interpretieren Gustav Holsts «Planeten-Suite» mit «Ad Astra» neu und bringen ihre Version in die Dampfzentrale.
Was jenseits des Himmels liegt, ist wahrlich Inspirationsfunken wert. Es war nach einer Einführung in die Astrologie, als der englische Komponist Gustav Holst seine «Planeten‑Suite» schrieb. Entstanden ist sie in den Jahren 1914 bis 1916, gedacht für ein Sinfonieorchester und ganz am Schluss, im siebten Satz, wenn Planet Neptun im Mittelpunkt steht, kommt noch ein Chor zum Einsatz. Dieses Werk wird nun neu interpretiert unter dem Namen «Ad Astra» (musikalische Leitung Hervé Grélat) in der Dampfzentrale aufgeführt. Es erstaunt wenig, dass sich zwei Berner Formationen dieser Aufgabe annehmen, die Flair für Modernes haben: Variaton, ein knapp 90‑köpfiges, sinfonisches Orchester mit einem Durchschnittsalter von 27.5 Jahren, und der Chor im Breitsch, der regelmässig unter einem neuen Motto auftritt.
Ein neues Empfinden
Chor und Orchester vertonen die Planeten unseres Sonnensystems, die Sänger werden in den Räumen umher gehen und visuelle Effekte werden dazu beitragen, ein neues Empfinden für das Stück zu erwirken. Mars, Venus, Merkur und wie sie alle heissen, werden kurzerhand auf die Erde geholt. Ausser Planet Erde, den hat Gustav Holst in seiner Suite nicht berücksichtigt. Für die Chorleiter Andreas Hügli und Ben Vatter eine Herausforderung, die sie dazu angespornt hat, eine neue Erde zu erschaffen.

Der Bund, 30. Mai 2014: “Eine gibeligäube Geburtstags-Gaudi”

(…) Die vielen exponierten Holzbläserstellen geraten superb, und die herrlich schmalzigen Cello-Soli im zweiten Satz verzücken. In der sinfonischen Dichtung «Die Mittagshexe» von Antonin Dvorak versteht es der Dirigent Droujelub Yanakiew überzeugend, die Schilderung der grausamen Märchenhandlung stimmungsvoll und farbenprächtig umzusetzen. (…) Im zweiten Teil gibt es eine kleine Sensation zu erleben. Der Berner Geiger Simon Heggendorn hat George Gershwins Gassenhauer «Rhapsody in Blue» bearbeitet. Er ersetzte den Klaviersolopart durch ein Streichquartett und versah das Stück mit groovig aufgepeppten Kadenzen. Mit seinem Kaleidoscope String Quartet (Ronny Spiegel, David Schnee und Solme Heng) bietet er das Neuarrangement so energetisch und spielfreudig dar, dass man sich kaum mehr auf den Stühlen halten mag. Das Orchester zieht schwungvoll mit und lässt diese wunderbar neuartige Rhapsody zum mitreissenden Erlebnis werden.
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Der Bund, 03. Juni 2013: “Sturmglocken in der Dampfzentrale”

”(…)Das Projektorchester Variaton, das sich in den letzten Jahren mit innovativen und spartenübergreifenden Projekten einen Namen gemacht hat, konfrontiert in «Tocsin» Dimitri Schostakowitschs 11. Sinfonie mit Videoprojektionen (Matthias Günter) und einer Massenchoreografie (Nina Stadler). (…) Die vier nahtlos ineinander übergehenden Sätze der Sinfonie stellen hohe technische Ansprüche an die Interpreten und lassen keinen Moment der Entspannung zu. Das Orchester unter der souveränen Leitung von Droujelub Yanakiew meistert die Aufgabe mit viel Inbrunst und Elan. Von den leisen, ätherischen Klängen des Beginns steigert sich der gross besetzte Klangkörper zu eindrucksvollen Fortissimo-Passagen. (…) Zum ergreifenden Höhepunkt des Abends gerät das Lamento der Bratschen im dritten, zu dem die Statisten in trauriger Andacht die hinterlassenen Schuhe einsammeln. Im Finale («Sturmgeläut») überzeugen die Soli von Englischhorn und Bassklarinette, bevor die angedeutete Utopie eines freien Volks am pompösen Finale zerbricht.
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Berner Zeitung BZ, 30. Mai 2013: “Der Klang der Revolution”

“Das Berner Orchester Variaton verschmilzt in seinem jüngsten Projekt Musik, Tanz und Film auf gewagte Weise. Im Mittelpunkt steht die geschichtsträchtige 11. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch.(…) Im Projekt «Tocsin» verknüpft das Orchester Schostakowitschs gewaltige Musik mit einem experimentellen Werk des jungen Berner Filmers Matthias Günter. (…) Variaton geht aber noch einen Schritt weiter. «Um die Mächtigkeit des Volkes unmittelbar erfahrbar zu machen, werden zahlreiche Statisten miteinbezogen, die die Unaufhaltsamkeit und Unüberwindbarkeit der schieren Menschenmasse in einer Performance physisch spürbar machen»”
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Kulturagenda Bern, April, 2010:

Das Variaton Orchester will die Orchestemusik entstauben und mit Ausflügen in andere Sparten jung und alt in den Konzertsaal locken. Im sechsten Projekt macht es einen Abstecher in die Modestädte New York, Mailand und Paris.

Der «Bund», 21. April 2010: “Musique prêt à porter”

Crossover liegt heutzutage im Trend, auch in der klassischen Musik. Für die einen ist es schon fast die einzig erträgli-che Art, klassische Werke zu hören, während andere darin eine entbehrliche Anbiederung an den Kommerz sehen. Seit einigen Jahren hat sich in Bern das Variaton-Projektorchester nun bewusst dieser Sparte angenommen, um das Publikum vom brachliegenden Potenzial solch übergreifenden Ideen zu überzeugen. Denn hier werden nicht bloss Stilmixturen willkürlich aneinandergereiht, sondern unter Einbezug anderer Kunstgebiete die Grenzen ausgelotet. So fand das diesjährige Vorhaben in der Dampfzentrale unter dem Motto „Haute Coulture“ statt und wollte nichts weniger als die Symbiose von Musik, Tanz und Mode. Ein anspruchvolles Wagnis. Zu Gehör kamen dazu jedoch nicht bloss modische Neuheiten, vielmehr waren es auch altgediente Klassiker, die sich längst über jeglichen Zeitgeschmck erhoben haben: Auszüge aus Nino Rotas Musik zu „La Strada“ sowie Leo-nard Bernsteins Sinfonische Tänze aus der „West Side Story“ sorgten für Anfang und Schluss des Bühnenspektakels. Ergänzt wurde das weitere Programm mit Werken von Honegger und Debussy. Damit waren auch gleich die modi-schen Destinationen abgesteckt: Mailand, Paris und New York. Zu jeder Grossstadt gab es die passende Kollektion (Design: Andrea Stieger, Mirjam Egloff, Linda Zobrist, Verena Härdi und Jasmin Frei) und eine entsprechende Choreografie. Nach einem Prolog mit streng klassischer Mode war-tete Mailand mit sommerlich-lebendiger Tracht und typisch italienischer Gestik. Dann folgte Paris in greller, verspiel-ter Art und mit der gehörigen Portion Liebe. Und New York? Lässig, pulsierend und ein wenig ausgeflippt. Alles in allem eine sehr gelungene, charakteristische und plastische Verschmelzung von Tanz und Mode, die mit kreativen und witzigen Ideen nicht geizte. Die Musik zu diesen modischen Intermezzi bestand dabei aus zeitgemässen Neu-kompositionen von Simon Heggendorn, Alexander Sloendregt und Christian Fey und lieferte mehr einen stim-mungsvollen Background. Insofern waren diese urbanen Klangporträts auch ein Eingeständnis, dass die Musik auf-grund der optisch einnehmenden Laufstegperformance fast ein wenig zum hintergründigen Accessoire abgestuft werden musste. Und doch war sie für das Atmosphärische unentbehrlich. Lohnender Mut zur Extravaganz Gerade die konzentrierte Spiellust des Orchesters unter der schwungvollen Leitung von Droujeub Yanakiev trug massgeblich dazu bei. Zwar hätte man sich hie und da noch etwas mehr Präzision gewünscht, aber insgesamt boten die Musizierenden in allen Stilen eine souveräne Leistung. Richtig fetzig dröhnten Bernsteins Rhythen, die immer wieder mit echt saftigen “dolce & passione” alternierten. So fusionierten die drei Künste trotz zwischenzeitlich leich-ter Überlänge (weshalb die Performance zu Bernstein erst als Zugabe?) zu einem stimmigen Ganzen, einem unter-haltsamen Gesamtwerk, bei dem sich der Mut zur Extravaganz allemal gelohnt hat.

Podium, Juli 2009 variaTango: “Eine Reise nach Lateinamerika”

Der Tango bildet den Ausgangspunkt der diesjährigen Konzerte des Projektorchesters Variaton. Entsprechend seinem Grundgedanken betritt Variaton auch diesmal Neuland. Die farbenfrohe musikalische Reise durch Lateinamerika bringt das Orchester mit dem bekannten Bandoneonspieler und Komponisten Michael Zisman und seinem Vater, dem renommierten Violinisten Daniel Zisman, zusammen. Die Jungtalente Annapaola Jacomella (Violoncello) und Sebastien Fulgido (Gitarre) verstärken als hochkarätige Solis-ten das Team. Vier Uraufführungen Auf dem Reiseprogramm stehen gleich vier Uraufführungen von Konzerten für Bandoneon, weitere Soloinstrumen-te und Orchester. Die Kompositionen von Michael und Daniel Zisman bewegen sich musikalisch zwischen argenti-nischem Tango, sinfonischer Musik und Jazz. Den Komponisten gelingt das Spiel mit der Variation: Ihre Vielseitig-keit macht es möglich, über den bekannten sinfonischen Tango hinaus Neues zu entdecken. Als Bandoneonist be-rührt Michael Zisman das Publikum auf einfühlsame Weise und führt es in eine Welt besonderer Klangfarben. Nebst seiner Solistentätigkeit wirkt er in zahlreichen Formationen mit. Immer wieder geniesst er auch die familiäre Zusam-menarbeit und tritt gemeinsam mit seinem Vater Daniel auf, unter anderem im Duo Tango2. Seine beiden Werke «Tres Canciones» und «Piazzolleana» greifen klassische Elemente des sinfonischen Tangos auf und nehmen das Publikum auf eine aufregende Klangreise mit. Es gelingt ihm, verschiedene Genres wirkungsvoll zu verbinden. Da-niel Zisman arbeitet derzeit intensiv an seiner ersten abendfüllenden Komposition, dem Musical-Theater «Tangos Paralelos». Aus diesem grossen Werk spielt Variaton die «Rapsodia: por las Calles». Das zweite Werk des gebürtigen Argentiniers trägt den Namen «El cantar de los cantares». Ein emotionales Feuerwerk Neben den Kompositionen von Daniel und Michael Zisman spielt Variaton zwei bestehende Werke für Orchester von Alberto Ginastera und Arturo Márquez. Die Tänze zum Ballett «Estancia» von Alberto Ginastera führen vom urbanen Tango weg und entführen das Publikum in die argentinische Provinz. Das für eine amerikanische Ballett-gruppe komponierte Auftragswerk beschreibt das Leben auf einer Estancia. Ein junger Mann aus der Stadt muss sich bei der harten Landarbeit beweisen, um die Liebe eines schönen Mädchens zu gewinnen. Die Tänze erinnern mit ihrer verschachtelten Rhythmik an die argentinische Folklore und zeigen eine ganz andere Tonsprache der sinfoni-schen Musik Argentiniens. Mit dem «Danzón no. 2» des mexikanischen Komponisten Arturo Márquez hat Variaton einen Ohrwurm entdeckt, der auch die hinterste Reihe nicht kalt lassen wird. Konzerte am 6. Juni in Zürich (ZKO-Haus, 20 Uhr) und am 14. Juni in Bern (Dampfzentrale, 19 Uhr). Vorverkauf unter www.variaton.ch; Abendkasse eine Stunde vor Konzertbeginn.

Berner Zeitung, 5. Juni 2008: “Musik wird Licht wird Raum wird Musik”

Mut zur Kombination ist Treibkraft und Inspirationsquelle des jungen Projektorchesters Variaton. Diesmal sind es Licht- und Raumgestaltung, die die Musiker mit dem Orchesterklang in Verbindung bringen wollen.

Der «Bund», 14. Mai 2007: “Der Mut zum Crossover”

Klassische und elektronische Musik in einem Programm: Das Berner Projektorchester Variaton wagt die Verbindung in «My Age Night» Nach den letzten Akkorden von Samuel Barbers Adagio for Strings breitet sich Spannung aus im Saal des Kornhaus-forums. Barbers Komposition geht über in elektronische Klänge eines DJ. Abrupte Kopfbewegungen der Musiker markieren die Abkehr vom traditionellen Konzertverhalten. Sie werden vom Solisten am Elektro-Cello musikalisch umgesetzt. Originelle Breakbeats des DJ führen weiter weg vom klassischen Orchesterstück. Da tritt plötzlich ein Tanzduo in Erscheinung und imitiert die Musik mit wirren Körperverdrehungen. Solche Überleitungen machen die Faszination und Neuartigkeit aus des Konzertes von Variaton, dem erst zwei Jahre jungen Berner Orchester. Nach zwei erfolgreichen Projekten setzt sich die Formation ein explizit angekündigtes Ziel: Verschiedene Musik- und Kunststile sollen sich die Hände reichen und das Zielpublikum beider Sparten zusammen-bringen. Vereint in denselben Stücken Die Orchestermusiker vertreten die klassische Musik, DJ Ramax und Stefan Baumann am Elektro-Cello die elektro-nische Musik der Gegenwart. Das verbindende Element der Fronten bildet der Tanz von Nina Stadler und Moritz Stäubli. Im Gegensatz zu ähnlichen Crossover-Projekten sind in «My Age Night» die Kunstformen nicht nur in ei-nem Konzert präsent, sondern sind in den Überleitungen und der Komposition des Dirigenten Droujelub Yanakiev in denselben Stücken vereint. Das ist eine gewagte Aktion, die aus verschiedenen Gründen gelingt. Die Hauptver-antwortung liegt bei den Aufführenden, die alle in verschiedenen Welten zu Hause sind und mühelos von einer in die andere springen. Die Tanzeinlagen bewegen sich ebenfalls zwischen den Stilen mit Affinitäten zum komischen Thea-ter und Zirkus. Die Stückwahl von «My Age Night» ist wohlbedacht und wirkungsvoll. Am Beginn steht die stimmungsvolle Inter-pretation von Barbers Adagio for Strings. Im darauffolgenden Ravel geschieht eine Entwicklung hin zu mehr Bewe-gung. Da baut Yanakiev die Spannung gezielt auf und führt das Orchester zugkräftig in Richtung des Ausbruchs. Der mittlere Teil mit Stravinsky und Milhaud unternimmt einen Schritt hin zum letzten Stück des Abends. Die rhythmische und harmonische Komplexität nehmen zu und damit die Anforderungen an die Interpreten. Doch die Laienmusiker stellen sich ihnen und verstehen es, die Werke charakteristisch zu gestalten. Yanakievs eigene Komposition schliesslich bildet ein grosses Gefäss, in dem die Geschehnisse des Abends zu einem Werk verschmelzen. Da spielt das Orchester zum Beat des DJ und hebt sich zuweilen von seinen Stühlen. Das Tanzduo heftet Ballone an die Rücken der Musiker, die sich allmählich lösen und in die Höhe steigen. So breitet es seine Märchenwelt im Orchesterraum aus. Dann wird die Bartheke für die anschliessende Party hineingetragen. Die Musik wird vom mehrheitlich jungen Publikum gefeiert, ganz nach den Absichten des Crossover-Projekts.

Berner Zeitung, 14. Mai 2007: “Violinen zu treibenden DJ-Beats”

Manchmal entsteht eine schimmernde Perle, wenn sich vermeintliche Gegensätze begegnen – und zwar wirklich begegnen. Wenn sie ineinanderfliessen, sich verweben, miteinander kommunizieren. Und dies, ohne den Kern dessen, was sie ausmacht, zu verleugnen. So wie beim dritten Projekt des Variaton Projektorchesters, das am Wochenende an zwei Abenden im Kornhaus-forum Bern zur Aufführung gelangte. Denn es war eine Mischung aus klassischem Konzert, DJ-Set, Tanzvorführung und Party. All diese Gegensätze bewegten sich im Verlauf des Abends immer näher aufeinander zu. Das Orchester spielte zum Beispiel unter der Leitung seines temperamentvollen Dirigenten Droujelub Yanakiev drei Sätze aus Mau-rice Ravels «Ma Mère l’Oye», einer Märchenmusik, die der Komponist den Kindern eines Freundes gewidmet hat. Die jungen Musiker interpretierten lebendig und mit viel Gespür für die märchenhafte Geschichte in und hinter der Musik. Direkt mit dem Schlussakkord nahm DJ Ramax diese Stimmung in seinen Bässen und Rhythmen auf, und auch das Tanzduo Nina Stadler und Moritz Stäubli liess sich vom Klang des Orchesters leiten und setzte ihn in der Bewegung fort. Die Elektronik-Zwischenspiele funktionierten dabei als Bindeglied zwischen den klassischen Werken und bereiteten das Publikum auf Stimmungswechsel vor – etwa auf Stravinskys «Suite Nr.2 pour petit orchestre», kleine, mal humorvolle, mal beklemmende Reminiszenzen an bestimmte Menschen und Orte aus Stravinskys Leben. Und so lebte auch der Abend im Kornhausforum von vielen kleinen Huldigungen an die eine grosse Leidenschaft, die den DJ mit der Violinistin, die Tänzerin mit dem Elektro-Cellisten (Stefan Baumann) verbindet – die Musik.Das Konzept, Klassik, Tanz, Elektronik und Party immer mehr ineinander übergehen zu lassen, hat funktioniert, eine gewisse Sinnüberflutung war dabei beabsichtigt und Programm. «Betrachten Sie den heutigen Abend als ein Experi-ment», stand im Programmheft. Und es gelang: Beide Abende waren ausverkauft, das Publikum war sympathisch durchmischt wie selten an klassischen Konzerten. Die Gefahr, anbiedernd zu wirken oder nicht mehr als eine schwammige Brühe aus Stilen und Sinneseindrücken zu produzieren, umging das Variatonorchester gekonnt, indem es Stravinsky als Stravinsky und Ravel als Ravel spielte. Es hat nicht an den alten Meistern gerüttelt, sondern lediglich die Stimmungen aufgenommen, weitergetragen und mit Neuem vermischt – zu einer in vielen Farben schimmernden Perle.

Der «Bund», 25. April 2005: “Ein Orchester zum Feuerfangen”

Selten hat ein Konzertbesucher die Gelegenheit, der Feuertaufe eines jungen Sinfonieorchesters beizuwohnen – und dabei auf Anhieb selber Feuer zu fangen. Im modernen Konzertsaal des Mattenhofs in Gümligen wurde beides möglich. 55 in stilvolles Schwarz gekleidete junge Musikerinnen und Musiker, 5 Jazzsolisten (Studierende und Abgänger der Jazz-Schulen von Bern, Luzern und Basel) und die 1974 geborene, mehrfach preisgekrönte Dirigentin Felicitas Ga-dient (sie war 2003 Preisträgerin des Förderpreises der Kiefer-Hablitzel-Stiftung) des neuen Orchesters Variaton zeigten vor voll besetztem Auditorium, welche aussergewöhnlichen Leistungen möglich werden, wenn jugendliche Begeisterungsfähigkeit, Disziplin, Experimentierlust und Können sich aneinander entzünden. Ohne Berührungsängste tauchte das Projektorchester (Konzertmeister Simon Heggendorn) ins «Variaton»-reiche zweistündige Programm, das sich thematisch im Grenzbereich zwischen Klassik und Jazz aufhielt. Ein Abend für Rosinenpicker: Eröffnet wurde das ebenso unterhaltende wie anspruchsvolle Konzert mit fünf Standards für Jazz-quintett und Streichorchester sowie dem rhythmisch kniffligen «Concertino for Jazz Quartet and Orchestra» des New Yorkers Gunther Schuller (geb. 1925), in dem sich improvisierte und auskomponierte musikalische Teile über-lagern. Mit lebendigem Groove und tonsicher meisterten Sonja Huber (Vibes), Simon Ryf (Bass), Martin Kissliang (Drums), Dirk Oesch (Sax) und Anna Lena Fröhlich (Piano) ihre solistischen Einsätze. Nach der Pause standen Aaron Coplands «Saturday Night Waltz» und als Höhepunkt Dmitri Schostakowitschs zweite Jazzsuite mit dem berühmten, traurigschönen «Walzer Nr. 2» im Mittelpunkt. Die intensive Vorbereitungszeit hat sich gelohnt. Das Debüt des Projektorchesters Variaton, das von vier fortgeschrittenen, ambitionierten und dem Jugendorchester entwachsenen Amateurmusikerinnen und -musikern initiiert wurde, überzeugte ohne Wenn und Aber. (mks)